Verhaltensforschung: Tanzen

Verhaltensforschung: Tanzen
Menschen haben viele viele Hobbys: Schwimmen, Ski fahren, Fußball spielen, etc. pp
Doch wirklich keines ähnelt auch nur ansatzweise dem Tanzen.
Der Mensch liebt die Zweisamkeit und deswegen gibt es den Paartanz.
Neuerdings ist das Tanzen unter Schülern wieder groß in Mode gekommen und hier zeigen sich meist außergewöhnliche Verhaltensschemen.
Nehmen wir einfach als erstes Beispiel einen ganz normalen Fortgeschrittenen-Tanzkurs. Das Erste was auffällt: Der Kurs ist überfüllt.
Als zweites fällt dem geübten Beobachter auf, dass es mindestens doppelt so viele Mädels wie Jungs sind.
Wieso Jungs nicht so gerne Tanzen wie Mädels mag einfach mit dem Grundgedanken zusammen zu hängen, aber das ist nicht das Thema dieses Beitrags.
Es geht vielmehr um das Verhalten von und zwischen den beiden Geschlechtern.

Wie schon gesagt, gibt es um einiges mehr Mädels als Jungs. Daraus folgern sich verschiedene Erscheinungsbilder: Mädels tanzen mit Mädels oder es gibt Gastherren(welche hingegen auch wieder weiblich sein können).
Man sollte meinen, dass die Gastherren schwer gefragt sind, da sie die perfekten Übungspartner sind, aber dem ist nicht so: “Das ist ja peinlich. Ich vertanz mich dauernd..”
Hierbei ist der Sinn zu beachten: In einem Tanzkurs bei dem die betreffende Person lernen soll wie sie tanzt, schämt sie sich dafür es nicht zu können weil jemand der besser tanzen kann dabei ist.
Das Resultat: Viele Mädchen meiden unterbewusst die Gastherren. Natürlich gibt es auch Gegenbeispiele, aber Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel.

Nächstes Wunder: Alle Tanzpaare haben einen festen Tanzplatz wobei dieser an ein Verhalten gekoppelt ist: Bei einem Tanzkurs stehen alle möglichst weit außen, während bei einem Abschlussball bzw. einer Tanzparty alle möglichst in der Mitte stehen wollen.
Das Selbstwertgefühl steigt demnach erst mit der Anzahl der Kurse und so kann man anhand der Position beim Tanzen tatsächlich den aktuellen Kurs ablesen:
Steht das Paar bei einer Tanzparty direkt in der Mitte: Anfänger.
Je weiter man nun nach außen kommt desto höher wird der Kurs. Ab Silber/Gold-Kurs ist man dann in der äußersten Reihe angelangt. Ab hier verschwimmt das Bild.
Beliebtes Beispiel: Vortanzen beim Abschlussball. Das Resultat: Alle Tanzpaare stürmen zur Mitte damit sie bloß nicht gesehen werden. So schlecht seid ihr doch garnicht!

Nächstes Wunder des Tanzens: Spricht man ein Mädchen an ob man zusammen mit ihr auf eine Tanzparty geht, sieht diese das sofort als Date an. Wollen wir jetzt tanzen oder flirten? Oder beides?
Doch das absolute Phänomen beim Tanzen ist die erste Tanzparty einer Saison:
Traditionsgemäß werden an alle Anfänger und Fortgeschrittene Gutscheine für die erste Tanzparty verteilt.
“Mensch, ein Gutschein! Ich hab zwar keine Lust, aber es ist schade drum…”
Wir folgern: Die Räumlichkeiten sind brechend voll. Aber nicht von tanzwütigen Jungs und Mädels sondern von gelangweilten und/oder schlecht gelaunten Jugendlichen.
Mensch Leute. Wieso bleibt ihr denn nicht zu Hause wenn ihr keine Lust habt?
Die Tanzfläche wird somit um ein vielfaches eingeengt, da die Menschenmassen am Rand stehen oder manchmal auch mitten auf der Tanzfläche. Das erinnert in diesem Moment an diverse Snowboarder die Mitten auf der Skipiste anhalten und sich erstmal hinsetzen.
Fasst sich nun endlich ein Herr ein Herz und will eine Dame auffordern erhält er mit einer Trefferquote von 50% ein “Nein” oder schlichtes Grunzen zurück.
Ein großes Problem ist ebenfalls, dass die meisten Mädels in Gruppen von 4 oder 5 Leuten am Rand stehen. Das ist für viele Jungs Grund genug niemand davon auf zu fordern. Auch dieser “Mut” kommt erst mit späteren Kursen.

Wir fassen also zusammen:
*Die erste Party in der Saison ist brechend voll
*Es sind größtenteils nur Anfänger anwesend da die höheren Kurse keinen Bock darauf haben
*Eigentlich will keiner Tanzen und wenn, dann nur total entnervt
*Es gilt das Motiv: Bevor ich was Kostenloses verfallen lasse nutz ich es lieber. Auch wenn es mich nicht interessiert

Kommen wir zu guter letzt zur Tanzschule selbst:
Bei unserer Tanzschule in Freiburg bekommt man kompetenten und lustigen Unterricht geboten. Man schließt schnell mit Tanzlehrer/in und Assistent/in Freundschaft und hat wirklich Spaß am Tanzkurs(Ausgenommen einer einzigen Ausnahme. Es sei nur so viel gesagt: Besagte Person pfeift auf Individualität beim Tanzen. Alle müssen es exakt gleich machen!).
Die Kursräume sind in bester Verfassung und die Soundanlagen schwächeln zwar teilweiße etwas, tun aber ihren Dienst.
Das einzige was hier etwas komisch wirkt sind die so genannten “Single-Partys”.
Die Namensgebung hat schon so manche in die Verwirrung getrieben. Hier einmal eine kleine Auflistung:
*Single-Party mit Karaoke -> Hierbei handelt es sich eigentlich um eine ganz eigene Party(Karaoke-Party)
*Single-Party mit Disco-floor -> Damit die armen Singles auch mal alleine abdancen können
*Single-Party mit “Engeln” -> Komische pinke Engel laufen durch die Gegend und versuchen Leute zu verkuppeln…
*Single-Party mit Liebesshow -> Die einzig wahre und absolut lustige Single-Party. Wieso nicht immer so?

Fazit: Tanzen bedeutet für viele Leute irgendetwas, aber nicht das, was es eigentlich ist: ein Hobby bei dem man Spaß haben soll. Viele Tänzer sehen in der Tanzschule eine Partnerbörse und gehen deswegen mit der falschen Motivation dort hinein. Natürlich lernt man beim Tanzen viele Mädels/Jungs kennen und so ist das ein positiver Nebeneffekt, aber nicht der Hauptsinn. Wer etwas anderes als ein Hobby erwartet sollte also das Tanzen lieber bleiben lassen und so den wirklichen Tänzer Platz machen. Auf dass uns Hobby-Tänzern das Tanzen noch lange eine Freude sein wird!

Falk

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